Ausgangslage Luftverschmutzung

Anfang der 1980er Jahre führte das Waldsterben aufgrund von Luftschadstoffen und „Saurem Regen“ zu einer intensiven Debatte in den Medien und der Öffentlichkeit.

Die politische Arbeit der Umweltverbände, der öffentlichen Druck und die rechtlichen Vorgaben der EWG (heute: EU) führten damals im Bundestag zu einer Reihe von Gesetzen und anderen politischen Instrumenten zur Verringerung der Schadstoffbelastungen. Dazu gehörten die „TA Luft“(Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft), die „Großfeuerungsanlagenverordnung“, die Einführung bleifreien Benzins sowie des Katalysators für Abgase von Pkws. Seitdem regeln diese Gesetzgebungen die „Luftreinhaltung“ in Deutschland. Diese Vorgaben waren hilfreich, sind aber bis heute völlig unzureichend.

Am deutlichsten war die Reduktion von Schwefeldioxid (SO2) durch den Zusammenbruch der osteuropäischen Schwerindustrie und den Einbau von Entschwefelungsanlagen. Zwischen 1990 bis 2005 verminderten sich die Schwefeldioxidemissionen um 90 %. Trotzdem ist noch immer die Hälfte der Ökosysteme von Versauerungsschäden betroffen. Die hohen Stickstoff-Immissionen als Stickstoffoxide (Stickoxide), als Dünger oder als Ammoniak tragen einerseites zur Überdüngung und andererseits zur Versauerung bei.

Stickoxide entstehen hauptsächlich bei sehr heißen Verbrennungsprozessen in hochverdichtenden Verbrennungsmotoren. In der Atmosphäre können daraus salpetrige und Salpetersäure entstehen und sind Teil des „Sauren Regens“. Die Stickstoffverbindungen können aber auch bei Vorhandensein von Kohlenwasserstoffen (Katalysatoren)und energiereicher Sonnenstrahlung (UV) zur bondennahen Ozonbildung beitragen.

Die Bealstungen der Ökosysteme überschreiten oft die sogenannten Critical Loads für Säureeinträge: auf mehr als 23% der Waldflächen und auf 45% der Flächen empfindlicher Ökosysteme12. Das Konzept der „Critical Loads“ und „Critical Levels“ zeigt die ökologischen Belastungsgrenzen von Ökosystemen gegenüber verschiedenen Luftschadstoffen auf.

Ein Eutrophierungs-, d.h. Überdüngungs-Risiko besteht sogar auf über 70% der Fläche sensibler Ökosysteme. Eutrophierende und versauernde Stickstoffeinträge führen auch zu erhöhten Nitratwerten im (Trink-)Wasser.

Forschungsergebnisse zeigen noch weitere gravierende Folgen: Der aus der Luft in die Wälder Europas eingetragene Stickstoff kann im Waldboden auch in Lachgas umgewandelt werden, das wieder in die Atmosphäre aufsteigt. Lachgas gehört zu den klima-wirksamen Treibhausgasen3. Ursachen für die Stickstoff-Emissionen sind Stickoxide aus der Verbrennung fossiler Energieträger, vor allem aus Verkehr und Industrie, sowie Dünger und Ammoniak aus der Agrarindustrie.

Als notwendige – wenn auch nicht hinreichende – Umwelt-Handlungsziele wurden international Emissionsminderungsziele für 2010 vereinbart. Das Umweltbundesamt UBA schreibt auf seiner Webseite „Daten zur Umwelt/Überschreitung der Critical Loads für Stickstoff“ dazu im Mai 2011:
„Das langfristige Ziel der EU und der UNECE-Luftreinhaltekonvention ist die dauerhafte und vollständige Unterschreitung der kritischen Belastungswerte (Critical Loads) für Eutrophierung.“ In der EU-Richtlinie zu Emissionsobergrenzen (NEC) sowie dem Multikomponenten-Protokoll zur UNECE-Luftreinhaltekonvention wurde als Zwischenziel bis 2010 eine europaweite Verringerung der Fläche von Ökosystemen, in denen die kritischen Belastungsgrenzen für Eutrophierung überschritten werden, um 30% gegenüber 1990 beschlossen.
Daraus ergäben sich folgende Emissionsminderungsziele für Deutschland gegenüber der Basis 1990:
Ammoniak (NH3): -28 %, Stickstoffoxide (NOx): -60 %.

Diese Ziele wurden nicht erreicht.

„Auch weit über 2010 hinaus werden die Eutrophierung von Ökosystemen und der damit einhergehende Artenverlust ein Problem bleiben“4.

Der Ausstoß einzelner Schadstoffe stagniert auf zu hohem Niveau oder steigt sogar weiter an. Die Schadstoffe reagieren auch miteinander – wie das Beispiel Ozon zeigt. Dabei ergeben sich große regionale Unterschiede. Besonders belastet sind die Bergwälder der Alpen – vor allem an den Nord- und Süd-Alpenrändern und vor allem Südhängen über stark befahrenen Straßen wie den Alpentransitstrecken.

Beispiel Ozon: Die Hintergrundbelastung durch Ozon nimmt durch Transporte auf der ganzen Nordhalbkugel zu. Bodennahes Ozon entsteht aus den Vorläufersubstanzen Stickoxide unter Einfluß von Kohlenwasserstoffen (katalytische Reaktion) aus Verkehr und Industrie unter Einfluss der UV-Strahlung der Sonne. Bodennahes Ozon schädigt Pflanzen und Tiere und greift die menschlichen Atmungsorgane an. Selbst in einem regnerischen Sommer wie 2010 konnte es keine Entwarnung bei den Ozonwerten geben: Insgesamt wurden 2010 in neun EU-Staaten, darunter auch Deutschland, an einigen Tagen Rekordwerte über 240 µg/m³ gemessen. In Deutschland lag der höchste gemessene Wert bei 273 µg/m³5. Ab 60 µg/m³ schädigt Ozon Lebewesen.

Bereits 1997 wurden die Klima-Folgen der Luftbelastungen erkannt und benannt: „Daneben werden in Zukunft Veränderungen des CO2-Gehaltes der Luft, verstärkte UVB-Einstrahlung und erhöhte Temperaturen („global climate change“) vermehrt als Belastungsfaktoren zu berücksichtigen sein“6.

Der Zusammenhang zwischen CO2-Werten und Klimawandel ist schon sehr viel länger bekannt7.

Hätte man das Waldsterben in den 1970iger und 1980iger Jahren wirklich ernst genommen und eine umfassend wirksame Luftreinhaltung durchgesetzt, wären nicht nur die Folgen für den Wald, sondern auch die Folgen des Klimawandels entscheidend gebremst worden.

  1. Waldzustandserhebung 2007 []
  2. Daten zur Umwelt 2011 []
  3. www.scinexx.de: NPO Karlsruhe, April 2011 []
  4. UBA, 2011 []
  5. http://www.eu-koordination.de/umweltnews/news/emissionen/909-ozonwerte-im-sommer-2010-vielerorts-zu-hoch []
  6. BML 1995 []
  7. www.waldklein.de []