Wälder im Klimawandel

Zum ersten Mal seit den Nachrichten über das Waldsterben waren heimische Wälder wieder ein wichtiges Thema in den Nachrichten. Im Hitzesommer 2018 galt die Aufmerksamkeit vor allem den sogenannten „Waldbränden“. Es waren allerdings Plantagenbrände, denn es betraf die künstlichen Nadelbaummonokulturen aus Kiefern und Fichten. Größerer finanzieller Schaden entstand aber durch den Wassermangel. Die dadurch geschwächten Fichten werden nun vom Borkenkäfer befallen, also den Insekten, deren die Aufgabe zukommt, die vielen schwachen und kranken Bäume zu entfernen. In der Natur würden die abgestorbenen Bäume von Bäumen eingenommen, die besser an die Bedingungen angepasst sind. In der Forstsprache werden die Borkenkäfer aber als Schädlinge bezeichnet. Quasi als diejenigen die an diesem Schaden „schuld“ sind. Damit lenkt man seit Jahrzehnten von seiner Eigenverantwortung ab. Etwa davon, dass viele Privatwaldeigentümer sogar noch in den letzten Jahren neue Fichten- und Kiefernplantagen angelegt haben, obwohl jedem klar sein musste, dass dies eine längst überholte Praxis ist. Jetzt kommt der Ruf nach staatlichen Hilfen, um die Folgen einer verfehlten und unökologischen Waldbaupolitik halbwegs zu reparieren.

Brände als Warnsignale

Die Realität im deutschen Forst sieht leider so aus: Über die Hälfte der Waldfläche sind mit Nadelbäumen bestanden. Nadelbäume sind wegen ihres Harzgehaltes in Nadeln, Borke und Holz viel leichter entzündlich als Laubbäume. In Nadelholzplantagen liegt meist ein Nadelteppich auf dem Waldboden, was die Brandgefahr weiter erhöht. Dass vor allem die Fichten-Plantagen im Zuge des Klimawandels stark gefährdet sind und in den meisten Regionen keine Zukunft haben, war längst bekannt. Trotzdem wurde über viele Jahrzehnte zu wenig dafür getan, dass sich diese Nadelbaumplantagen mit heimischen Laubbäumen durchmischen konnten oder durch Laubwälder ersetzt wurden. Es wurde zu wenig in den Waldumbau investiert, obwohl dieser eine seit Jahrzehnten bewährte Praxis ist.

Verbrannte Kiefernplantage bei Treuenbrietzen

Und nun rächt sich der am reinen Geldertrag orientierte Waldbau vieler Forstbetriebe. Von Natur aus kämen in Deutschland fast auf der gesamten Fläche Laubwälder vor. Nadelbäume gäbe es auf weniger als fünf Prozent der Fläche, doch weil Fichten- und Kiefernholz viel  besser verkäuflich und vor allem in der Bauwirtschaft gefragt ist, halten viele Betriebe daran fest. Die Sägeindustrie wünscht sich auch mehr Nadelbäume. Inwieweit die Förster den Wünschen nachkommen und instabile Waldbestände riskieren, obliegt den Eigentümern und damit auch den Sachwaltern der öffentlichen Kommunal- und Staatswälder. Hier gibt es noch gewaltige Defizite. Zwar leiden die Plantagen seit Jahrzehnten unter Stürmen und Trockenheit, doch wenn ein Großteil der Einnahmen aus dem Verkauf solcher Hölzer kommt, fehlt oft das Interesse, umzustellen. Dem höheren Ertragspotenzial stehen aber größere Risiken gegenüber. In naturnahen Laubwäldern gibt es dagegen so gut wie keine Waldbrände. Bei noch extremeren Bedingungen, zum Beispiel einige aufeinanderfolgenden Trockenjahren, wären aber auch Laubwälder gefährdet. Kein noch so ökologischer Waldbau dürfte einen dramatischen Klimawandel überleben.

Waldumbau braucht gute Jagd

Waldeigentümer und Forstleute als Verantwortliche brauchen sowohl den Willen, als auch die finanzielle Unterstützung dafür, den Waldumbau voranzubringen. Dafür ist unter anderem eine intensive Bejagung erforderlich, weil der starke Verbiss durch Rehe und Dam- sowie Rothirsche das Aufwachsen junger Laubbäume verhindert. Derzeit ist fast jede zweite Eiche, Ahorn, Kirsche oder Esche in einer Höhe zwischen 20 und 130 Zentimetern verbissen, bei den Buchen ist fast jede fünfte betroffen. Viele Privatwaldeigentümer zeigen aber wenig Interesse am Waldumbau, obwohl es dafür Fördermittel gibt. Hauptinteresse besteht auf vielen Flächen an der Jagd. Dichte Schonungen bieten Schutz und hohe Schalenwildbestände sorgen für stets gut sichtbares Wild für den Hobbyjäger, der nur gelegentlich in den Wald kommt, dann aber wenig Zeit hat. Manch wohlhabender Waldeigentümer und Jagdpächter sorgt so dafür, dass zukunftsfähige Waldnutzung verhindert wird.

Zaunbau wegen überhöhter Schalenwildbestände

Solange die Bejagung nicht so gestaltet wird, dass alle Laubbaum- und Straucharten aufwachsen können, ist der Einsatz von Fördergeldern sinnlos. Die Rücksichtnahme auf eine eigennützige Jagdlobby darf nicht belohnt werden. Wo waldfreundlich gejagt wird, können junge Laubbäume auch zwischen Nadelbäumen aufwachsen. Nach und nach werden die Nadelbäume geerntet, bis schließlich überwiegend Laubbäume die nächste Waldgeneration bilden. Auf geeigneten Standorten, wie in feuchten, schattigen und kühlen Lagen der Mittelgebirge, macht es dann nichts aus, wenn einzelne oder Gruppen von Nadelbäumen im Laubwald wachsen und wertvolles Bauholz erzeugt werden kann.

Waldumbau braucht Willen und Zeit

Wahrscheinlich sind auch mangelnde Fachkenntnisse die Ursache dafür, dass der Waldbau nicht modernisiert und den ökologischen Anforderungen angepasst wird. Viele Waldbesitzer haben wenig Interesse am Wald oder werden schlecht beraten. Wegen des jahrzehntelangen Personalabbaus in der Forstverwaltung können die viel zu wenigen Revierförster die fachliche Beratung nicht mehr flächendeckend gewährleisten. Fachleute fordern einen Beratungsdienst, der vom Land zertifiziert wird. An jungen, gut ausgebildeten Försterinnen und Förstern fehlt es nicht. Mithilfe von Schulungen könnten sie Waldbesitzer beraten, gegen Eigenbeteiligung, die mit der Größe der Betriebe ansteigt und ab einer bestimmten Größe voll zu zahlen ist.

Dennoch müssen wir uns darüber im Klaren sein, dass auch die ökologisch bestens gestalteten Wälder einen massiven Klimawandel kaum überstehen würden. Sie hätten aber bessere Chancen, möglichst lange durchzuhalten.

Beitrag von László Maráz, Forum Umwelt und Entwicklung

 

 

 

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