Hambacher Wald: Ein Symbol für den Klimaschutz



Warum ist dieser Wald so wertvoll?

Das derzeit wohl bekannteste deutsche Waldgebiet ist der sogenannte Hambacher Forst. Vor einigen Jahrzehnten umfasste der recht naturnahe Eichen-Hainbuchenwald noch eine Fläche von 4.000 Hektar. Seit der Eiszeit ist das Gebiet bewaldet und auch darum handelt es sich hierbei um ein ökologisch und historisch sehr seltenes und damit wertvolles Waldstück. Wenngleich der Wald schon immer auch der Bevölkerung als Rohstoffquelle diente, blieben viele Aspekte von Naturwäldern bis heute erhalten. Die ältesten Bäume sind demnach schon etwa 350 Jahre alt, was in Deutschland eine große Seltenheit ist.

Im Tiefland finden wir nur noch selten naturnahe Laubmischwälder, die eine so lange Habitat-Tradition haben. Das Besondere daran ist, dass solche Ökosysteme sich seit Jahrtausenden ungestört entwickeln und anpassen konnten – im Gegensatz zu den allermeisten unserer heutigen Wälder, die zwischendurch gerodet waren und als Acker- oder Weideflächen dienten. Eine solche Unterbrechung zerstört die über Jahrtausende gewachsenen Symbiosen zwischen den und damit das komplexe Zusammenspiel zwischen den Pflanzen, Tieren und Pilzen. Die letzten alten Wälder Europas stehen auf Böden mit hochkomplexen und sehr alten Netzwerken aus Pilzfäden und Bäumen – die Symbiose der sogenannten Mykorrhiza. Auch deshalb ist der Schutz alter Wälder mit „Urwaldböden“ so wichtig – das heißt Böden, auf denen seit der Eiszeit Wald stand.

Der Energiekonzern RWE will aber auch den Rest des Waldes vollständig zerstören, um die etwa 300 Meter tief darunterliegende Braunkohle abzubauen. Dagegen hat sich ein breites Bündnis von Waldschützern, Umweltverbänden, Klimaschutzinitiativen und BürgerInnen formiert. Seit Jahren ist der Wald von AktivistInnen besetzt, die Barrikaden errichtet haben und auf Baumhäusern wohnen, um die Fällung der Bäume zu verhindern (* Interview mit einer Aktivistin). Inzwischen wurde der Wald weitgehend geräumt und RWE bereitet die Rodung vor. Dabei ist fraglich, inwieweit diese Waldzerstörung überhaupt „erforderlich“ ist. Denn es wird noch darüber verhandelt, wie schnell der Kohleausstieg erfolgen kann und wie lange der Tagebau noch betrieben werden „muss“, bei dem jährlich 40 Millionen Tonnen Braunkohle (und etwa 250 Millionen Tonnen Abraum pro Jahr) gefördert werden.

Selbst wenn der Abbau sofort gestoppt würde, bliebe der Wald bedroht. Denn wenn der Tagebau geflutet wird und das Wasser steigt, drohen die steilen Hänge des Tagebaus, die aus Sand und Kies bestehen, abzurutschen. Obwohl deie Abbaukante noch etwa 200 Meter vom Waldrand entfernt ist, könnte ein Teil des Waldes später im Tagebausee verschwinden. Trotzdem wäre es möglich, durch Rückführung einiger Millionen Tonnen Abraum die Böschungen ausreichend abzusichern und das wertvolle Waldökosystem zu retten oder sogar wieder zu vergrößern. Denn ein Teil der bereits gefällten alten Bäume am Rand des Waldes treibt derzeit aus dem Stumpf wieder aus. Vor allem die in dieser Größe seltenen Hainbuchen könnten wieder weiterwachsen, auch Eichen sind dazu in der Lage. Die genetische Vielfalt der dort stehenden Eichen, Hainbuchen, Linden und anderen Waldbäume könnte somit gerettet werden.

Neben dem Schutz eines kostbaren alten Laubwaldes ist der Klimaschutz eine mindestens ebenso wichtige Aufgabe. Treibhausgasemissionen in Höhe von 40 Millionen Tonnen Kohlendioxid würden vermieden, der Kohlenstoff würde in dem bis zu 70 Meter mächtigen Braunkohleflöz erhalten bleiben. Eine absolut sichere Form der Speicherung von Klimagasen, denn die Kohle liegt dort schon seit etwa 15-20 Millionen Jahren. Wird die Kohle aber verbrannt, tragen die Treibhausgase dazu bei, dass auch andere Wälder durch den Klimawandel gefährdet, geschädigt oder sogar zerstört werden.

Am 6. Oktober wird eine Großdemonstration am Hambacher Wald stattfinden, zu der viele Initiativen und Verbände aufgerufen haben. Es wird Zeit für einen raschen, geordneten Kohleausstieg, denn die überaus ineffiziente Stromerzeugung der Kraftwerke Niederaußem und Neurath mit nur wenig mehr als 40% Ausbeute muss so schnell wie möglich beendet werden. Erneuerbare Energien können aber nur einen Teil der Energiemenge liefern. Ein wichtigerer Beitrag für den Klimaschutz kann nur darin bestehen, drastische Energieeinsparungen zu realisieren. Das bedeutet auch, den Verbrauch von Dienstleistungen, Rohstoffen und Waren zu verringern, die ebenfalls viel Strom benötigen.

Die gute Nachricht: Am heutigen 5. Oktober hat das Oberverwaltungsgericht Münster einen vorläufigen Rodungsstopp verfügt. Die Richter entsprachen damit in einem Eilverfahren dem Antrag des Umweltverbandes BUND. Gut möglich, dass im kommenden Winter der Wald verschont bleibt und dass damit die Chancen steigen, den Wald zu retten. Der Braunkohletagebau darf aber weiter betrieben werden. Bleibt zu hoffen, dass RWE nicht übermäßig steile Böschungen in der Nähe des Waldes anlegt um später sagen zu können, dass das labile Gelände ohnehin kaum zu erhalten sei.

Beitrag von László Maráz, Forum Umwelt und Entwicklung

* Ein Interview mit einer Aktivistin ist hier zu sehen:

Hambacher Wald: “Wenn wir diesen Wald retten, können wir den Braunkohletagebau stoppen” Aktivistin im Interview

 

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.